Auf dieser Seite werden die bakteriellen und pilzlichen Krankheiten vorgestellt, die Orchideen befallen können.
1. Bakterielle Weich- und Braunfäule
Pectobacterium (syn. Erwinia)
Symptome nach Art:
- Phalaenopsis: Kleine wassergetränkte Flecken auf den Blättern, oft mit gelbem Hof. Die Infektion lässt Blätter und Wurzeln schnell mit unangenehmem Geruch verfaulen. Pflanzen können innerhalb von 2–3 Tagen vollständig verfaulen.
- Dendrobium: Gelbe, wassergetränkte Blätter, die dann schwarz und eingesunken werden. In den Pseudobulben schreitet die Infektion langsamer voran.
- Paphiopedilum: Kleine runde Flecken nahe der Blattmitte, zunächst gelb und wassergetränkt, dann rotbraun und eingesunken. Kann den Wachstumspunkt vor der Blattspitze erreichen.
- Grammatophyllum: Wassergetränkte Flecken, die braun, schwarz und eingesunken werden.
Behandlung: Infiziertes Gewebe sofort mit einem sterilen Werkzeug entfernen. Bakterizide mit quaternären Ammonium- oder Kupferverbindungen auf infizierte und benachbarte Pflanzen sprühen (Kupfer nicht bei Dendrobium oder blühenden Pflanzen verwenden).
Vorbeugung: Bewässerung von oben bei Infektion vermeiden. Blätter trocken halten, Luftzirkulation erhöhen sowie Temperatur und Luftfeuchtigkeit reduzieren. Regelmäßige vorbeugende Spritzungen mit Kupferverbindungen helfen, besonders bei warmem und feuchtem Klima.
2. Bakterielle Braunfleckigkeit
Acidovorax (syn. Pseudomonas)
Symptome: Die häufigste und schwerwiegendste Krankheit der Phalaenopsis. Beginnt als kleine, weiche, wassergetränkte Blase von schmutzig-grüner Farbe, die sich vergrößert, mit anderen Flecken verschmilzt und braun oder schwarz, trocken und eingesunken wird. Häufiger in der warmen Jahreszeit.
- Phalaenopsis: Blasenähnliche Flecken mit gelblichem oder blassgrünem Hof. Erreicht die Infektion den Wachstumspunkt, stirbt die Pflanze.
- Cattleya: Schwarze, eingesunkene und klar begrenzte Flecken; schreitet langsam voran und ist bei erwachsenen Pflanzen selten tödlich.
Behandlung: Infiziertes Gewebe sofort mit einem sterilen Werkzeug entfernen. Bakterizide mit quaternären Ammonium- oder Kupferverbindungen sprühen (nicht bei Dendrobium oder blühenden Pflanzen). Auch benachbarte Pflanzen behandeln.
Vorbeugung: Luftfeuchtigkeit und Temperatur reduzieren, Bewässerung von oben vermeiden und Luftzirkulation erhöhen.
3. Schwarzfäule
Pythium und Phytophthora
Symptome: Die Infektion beginnt meist in den Wurzeln oder am Basalbereich des Pseudobulbus. Sie breitet sich bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit schnell aus.
- Pseudobulben, Wurzeln oder Rhizome: Schwarzviolette Bereiche, oft klar begrenzt. Die Infektion kann zur Basis des Pseudobulbus oder des Blattes aufsteigen und bei leichter Berührung zum Abfallen führen.
- Cattleya: Gelblich-cremefarbene Verfärbung auf einer oder beiden Seiten der Pseudobulben, die dann schwarz oder braun wird und zur Zersetzung des Bulbus führt.
Behandlung: Wenn die Pflanze wertvoll ist, isolieren, infiziertes Gewebe mit einem sterilen Werkzeug entfernen und mit einem geeigneten Fungizid behandeln.
Vorbeugung: In besonders feuchten oder regenreichen Perioden vorbeugende Behandlungen mit geeigneten Fungiziden durchführen.
4. Fusariose
Fusarium
Symptome: Fusarium blockiert den Feuchtigkeitsfluss durch das Gefäßsystem der Pflanze.
- Cattleya: Blätter werden gelb, dünn, runzelig und sterben schließlich ab. Das diagnostische Merkmal ist ein violetter oder rosa-violetter Ring oder Band in den äußeren Schichten des Rhizoms, sichtbar beim Aufschneiden. Stark infizierte Pflanzen können innerhalb von 3–9 Wochen absterben.
- Phalaenopsis und Paphiopedilum: Wurzeln beginnen zu faulen und die Pflanzenbasis entwickelt eine trockene, schwarze Fäule. Ältere Blätter werden lederartig, junge können eine rötliche Färbung annehmen. Der Blütenstiel kann faulende Flecken mit vorzeitigem Knospenfallen entwickeln.
Behandlung Cattleya: Infizierte Teile des Rhizoms und der Pseudobulben mit dem violetten Band entfernen. Nur den gesunden Teil umtopfen. In ein geeignetes Fungizid tauchen und den Bereich sowie die Werkzeuge sorgfältig desinfizieren.
Behandlung Phalaenopsis/Paphiopedilum: Stark infizierte Pflanzen entsorgen, beschädigtes Gewebe und alle infizierten Wurzeln entfernen, mit Fungizid behandeln.
Vorbeugung: Schneidwerkzeuge nach jedem Gebrauch sterilisieren (vorzugsweise durch Abflammen). Bei Phalaenopsis ein angemessenes Gleichgewicht von Temperatur, Substratfeuchtigkeit und Düngung aufrechterhalten.
5. Sklerotinia-Stängelfäule
Sclerotium
Symptome: Schneller Kollaps und Zersetzung der Wurzeln, Pseudobulben und unteren Blattteile. Infiziertes Gewebe nimmt eine gelblich-cremefarbene Färbung an, wird dann braun, kollabiert und fault schnell. Blätter vergilben, welken und sterben ab. Kleine gelbe oder hellbraune Sklerotien (ähnlich wie Senfkörner) bilden sich auf dem infizierten Gewebe: Dies ist die Ruhephase des Pilzes.
Behandlung: Infizierte Teile mit einem sterilen Werkzeug entfernen. Die verbleibende Pflanze in ein geeignetes Fungizid tauchen.
Vorbeugung: Korrekte Hygiene, gute Luftzirkulation und niedrigere Temperaturen. Der Erreger ist in warmen Jahreszeiten und bei hoher Luftfeuchtigkeit am aktivsten.
6. Wurzelfäule
Rhizoctonia
Symptome: Tritt auf, wenn das Substrat sich abbaut, die Drainage schlecht ist und/oder die Pflanzen übermäßig bewässert werden. Die Infektion entwickelt sich, wenn die Wurzeln durch Wunden, Salzansammlungen oder übermäßige Düngung geschädigt werden.
- Cattleya: Rhizoctonia breitet sich langsam von älteren zu jüngeren Pseudobulben aus. Infizierte Pseudobulben werden braun, hart und faserig. Blätter vergilben, runzeln sich und fallen ab, während ältere Pseudobulben von der Basis nach oben vergilben und bräunen.
Behandlung: Infizierte Teile mit einem sterilen Werkzeug entfernen. Die verbleibende Pflanze in ein geeignetes Fungizid tauchen.
Vorbeugung: Gut drainierte Substrate verwenden, übermäßige Bewässerung vermeiden und korrekte Hygiene aufrechterhalten.
7. Anthraknose
Colletotrichum und Glomerella
Symptome: Dunkelbraune oder hellgraue Flecken auf den Blättern, manchmal in konzentrischen Ringen oder dunklen Bändern angeordnet. Der infizierte Bereich ist meist klar umrissen und leicht eingesunken. Auf Blüten erscheinen wässrige, schwarze oder braune Pusteln, meist erhaben auf älteren Kelch- und Blütenblättern.
Behandlung: Ein geeignetes kupferhaltiges Fungizid sprühen und dabei die Anweisungen auf dem Etikett sorgfältig befolgen.
Vorbeugung: Korrekte Hygiene, gute Luftzirkulation, niedrigere Temperaturen und mehr Licht. Der Erreger ist bei warmem Klima, schlechter Beleuchtung und hoher Luftfeuchtigkeit am aktivsten.
8. Blattflecken
Cercospora
Die Infektion beginnt mit einem gelben Fleck auf der Blattunterseite, der dann auch auf der Oberseite sichtbar wird. Die Flecken vergrößern sich zu unregelmäßigen Formen, werden leicht eingesunken und nekrotisch und nehmen eine braun-violette Färbung an. Stark infizierte Blätter fallen vorzeitig ab.
Pseudocercospora
Verursacht Blattflecken und unregelmäßige Unvollkommenheiten. Die Flecken können kreisförmig, violett oder schwarz sein mit braun-schwarzen Punkten, wenn sie sich ausdehnen. Auf der Blattoberseite kann die Infektion als Mosaikmuster erscheinen, während sich auf der Unterseite Punkte bilden, die den Sporenstrukturen des Pilzes entsprechen.
Guignardia
Die ersten Anzeichen sind winzige, längliche, dunkelviolette Läsionen auf beiden Blattseiten, die sich parallel zu den Blattadern entwickeln. Die Flecken verschmelzen zu großen, unregelmäßigen Läsionen. Mit der Zeit wird die Mitte lederfarben und es erscheinen schwarze Fruchtkörper mit sandpapierähnlicher Konsistenz. Auch bekannt als Phyllosticta.
Phyllosticta
Die anfänglichen Läsionen sind klein, gelb und leicht eingesunken. Mit der Zeit werden sie rund oder oval, hell- oder dunkelbraun, mit einem leicht erhabenen roten oder violett-schwarzen Rand. Im Zentrum erscheinen kleine schwarze Sporenstrukturen. Stark infizierte Blätter fallen vorzeitig ab. Auch bekannt als Guignardia.
Septoria
Die anfänglichen Flecken sind klein, gelb und leicht eingesunken auf beiden Blattseiten. Mit fortschreitender Infektion vergrößern sich die Flecken und werden dunkelbraun oder schwarz, mit kreisförmigen oder unregelmäßigen Formen. Stark infizierte Blätter fallen vorzeitig ab.
Behandlung (alle Blattflecken): Ein geeignetes Fungizid mit Kupfer oder quaternären Ammoniumverbindungen sprühen und dabei die Anweisungen auf dem Etikett befolgen.
Vorbeugung: Gute Hygiene aufrechterhalten und korrekte Luftzirkulation sicherstellen. Benetzung der Blätter reduzieren. Wenn der Pilz ein wiederkehrendes Problem ist, monatlich vorbeugende Fungizide anwenden.
9. Grauschimmel
Botrytis
Symptome: Kleine schwarze oder hellbraune Flecken auf den Blütenblättern, die sich vergrößern können, bis sie die gesamte Blüte bedecken. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann auf der Oberfläche stark infizierter Blüten ein grauer Schimmel erscheinen.
Behandlung: Infizierte Blüten entfernen, dann ein geeignetes Fungizid sprühen. Dieser Pilz ist in der Umwelt weit verbreitet und kann nicht vollständig eliminiert werden.
Vorbeugung: Infizierte Blüten entfernen (sie dienen als Infektionsreservoir). Angemessene Hygiene aufrechterhalten, Luftzirkulation erhöhen, Luftfeuchtigkeit reduzieren und wärmere Nachttemperaturen aufrechterhalten (>20°C).

